Wie wird man Feuerwehrmann?

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Woran denkt ihr eigentlich als erstes, wenn ihr die Berufsbezeichnung Feuerwehrmann hört? Vielleicht an mutige Männer, die sich mit dem Wasserschlauch in der Hand in ein Flammenmeer stürzen, um Menschenleben zu retten?

Aber ist das so? Und ist das alles?

Was tut so ein Feuerwehrmann eigentlich den lieben, langen Tag? Wir haben uns schlau gemacht und sprachen mit Herrn Peibst, Hauptwachtmeister im operativen Dienst in der Feuerwache Süd in Halle und seit 18 Jahren bei der Berufsfeuerwehr.

Herr Peibst erzählte uns als erstes ein wenig über die Ausbildung zum Feuerwehrmann. Voraussetzung sind gute Noten und eine abgeschlossene Ausbildung, am besten in einem handwerklichen Beruf. Natürlich muss man sportlich sein und auch eine gute Allgemeinbildung und technisches Verständnis sind wichtig.

Bei der Feuerwehr

Bei der Feuerwehr gibt es nur sehr wenig Frauen, und das aus gutem Grund: die Arbeit ist körperlich zum Teil sehr schwer und deshalb nur bedingt für Frauen geeignet. Natürlich können sich dennoch Frauen bewerben! Sie werden nicht benachteiligt, sondern Eignungstests entscheiden bei allen Bewerbern, ob männlich oder weiblich, ob sie für eine Ausbildung in Frage kommen.

Nach der Ausbildung ist bei den Feuerwehrleuten übrigens vor der Ausbildung: sie müssen ihr ganzes Berufsleben lang zahlreiche Weiterbildungen in Beriechen wie zum Beispiel chemische und biologische Gefahrstoffe, Reaktorunfälle und Vorbereitung auf Katastrophen absolvieren, um in ihrem Beruf „fit“ zu bleiben – ungefähr 240 Stunden im Jahr drückt ein Feuerwehrmann die Schulbank! Außerdem muss jeder Feuerwehrmann alle drei Jahre einen Sporttest machen. Der entscheidet, ob er weiter Einsätze fährt oder einen Schreibtischjob bekommt. Die zweijährige Lehre beinhaltet die Ausbildung zum Rettungssanitäter, einen Grundlehrgang Feuerwehr sowie ein Praktikum. Danach kann sich der Absolvent „Feuerwehrmann“ nennen und sich nach Wunsch weiterqualifizieren, zum Beispiel zum Fahrzeugführer oder Brandinspektor.

Und natürlich löscht ein Feuerwehrmann nicht nur Brände. Nein, die Aufgaben der Feuerwehr sind vielfältig: Technische Hilfestellungen bei Hochwasser oder Verkehrsunfällen gehören genauso dazu wie Eisrettung, Tierrettung, Höhenrettung (nur die Feuerwehr hat schließlich eine Drahtleiter!) und tägliche Nottüröffnungen.

Brandeinsatz

Aber Brandeinsätze sind am häufigsten – im Jahr 2003 waren es über 3400 in Halle und Umgebung, zu denen die Feuerwehr gerufen wurde. Hier gibt es natürlich Unterschiede: es gibt Wohnungsbrände, Dachstuhlbrände, Großbrände (zum Beispiel in Industriegebieten), Waldbrände – die Liste ließe sich noch fortsetzen, aber eins steht fest: Brände können vermieden werden. Rauchmelder in der Wohnung zum Beispiel sind eine sehr wirkungsvolle Maßnahme. In den USA sind die Pflicht, doch gibt es sie nur vereinzelt. Auch das so genannte kokeln ist ein Problem, denn die so entstehenden Brände werden oft erst spät bemerkt und können große Schäden verursachen.

Wenn in der Zentrale ein Notruf eingeht, sind die Männer für gewöhnlich innerhalb von 10 Minuten am Einsatzort. Das Anziehen dauert dabei noch nicht einmal ein Minute. Das hört sich jetzt vielleicht nicht besonders beeindruckend an, aber wenn ihr jetzt denkt: „Na so schnell kann ich mich auch anziehen!“ lest erst einmal, was alles zu einer Feuerwehrmontur gehört: Zuallererst natürlich die Schutzkleidung, bestehend aus Jacke, Hose und Stiefel aus schwer entflammbaren Material. Immerhin herrschen bei einem Brand Temperaturen von 600 bis 1200 Grad Celsius! Außerdem darf der so genannte Sicherheitsgürtel nicht fehlen. An ihm sind so wichtige Dinge wie Beil, Sicherungsleine und Handlampe befestigt. Dann gehören natürlich der Schutzhelm und zuletzt der Pressluftatmer zur Ausrüstung eines Feuerwehrmannes. Dieser besteht aus zwei Tanks mit 1500 Litern Luft als Inhalt – das reicht für 20 Minuten atmen auch im dicksten Qualm. Die Männer schnallen sich ich auf den Rücken und jetzt erst ist die Ausrüstung komplett. Ihr Gesamtwegwicht liegt bei 35 bis 40 kg und auch diese Last ist ein Grund, warum es sowenig Frauen bei der Feuerwehr gibt.

Geschwindigkeit zählt

Kaum angezogen, geht’s so schnell wir möglich zu den Autos. Die heißen ganz korrekt „Hilfeleistungslöschfahrzeug“ (HLF). Eins davon kostet 150.000 €. Auf einem HLF wird natürlich jede Menge Spezialtechnik mitgeführt. Zum Beispiel eine Wärmebildkamera, um Glutnester und verschüttete Personen aufzuspüren. Oder einen Spreizer, um große, schwere Gegenstände hochzuheben. Dieser „stemmt“ locker 13,5 Tonnen – das ist beispielsweise ein Straßenbahnwaggon! Mit einer auch mitgeführten großen Schere können Autos aufgeschnitten werden, um eingeklemmte Menschen zu befreien. Sie schneidet durch dickes Metall wir eine Bastelschere durch Papier!
Dann gibt’s noch diverse Pumpen, Aggregate und die oft gebrauchte Drehleiter, die allein schon rund 65.000 € kostet. Diese teure Spezialtechnik muss natürlich bedient werden können: Weiterbildung zum Maschinisten gehören also auch zum „Lernprogramm“ mancher Feuerwehrmänner. Wartung und Pflege der Fahrzeuge steht ebenso auf dem Dienstplan, denn die Männer sind natürlich nicht ununterbrochen im Einsatz. Eine Schicht dauert übrigens 24 Stunden, in denen zwar Ruhepausen, aber keine „Erholungsschläfchen“ auf dem Programm stehen – es ist also kein Job für Schlafmützen!

Einige der Männer sind ehrenamtlich täig: sie geben Brandschutzunterricht in Schulen und Kindergärten, bilden Männer bei der Freiweilligen Feuerwehr aus oder sind als Ausbilder beim Rettungsdienst tätig.

Unsere Erkenntnis nach der Unterhaltung mit Herrn Peibst: Ob Feuerwehrmänner nun ein Kind retten, das auf dem Eis eines zugefrorenen Sees eingebrochen ist, einen eingeklemmten Fahrer nach einem Unfall aus einem Auto befreien und gleich danach dessen Leben durch Erste Hilfe retten, bei einem Hochwasser Sandsäcke stapeln oder einen Wohnungsbrand löschen – sie sind Helden, jeder einzelne von Ihnen.

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